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Mrz

Eine Folge mit: Wynonna Earp

An ihrem 27. Geburtstag kehrt Wynonna in ihre Heimatstadt Purgatory zurück. Kaum angekommen, wünscht sie sich, nie in diesen verdammten Bus gestiegen zu sein. Denn die Vergangenheit und ein mieser Familienfluch holen sie schnell wieder ein, als sie auf die Wildwest-Dämonen ihrer Kindheit trifft.

Ich schwöre, es ist reiner Zufall, dass meine zweite Serien-Rezension schon wieder einen Western-Touch hat! Mich verbindet eigentlich ziemlich wenig mit dem Genre, aber irgendwie komme ich in letzter Zeit nicht daran vorbei. Und hey: Horror-Western!? Sign me up!

Der Vorspann vereint popartige Bilder mit dem rockigen Titelsong „Tell that Devil“.

Ganz im Stil des famosen GameOne-Formats „Eine Stunde mit…“, in dem Wolf damals ein neues Game für 60 Minuten anzockte, beschränke ich mich bei „Eine Folge mit…“ ebenfalls auf eine kleine Schnupperportion einer Serie – die Pilotfolge. Vorteil: Es gibt so gut wie keine Spoiler, also lest beruhigt weiter und bildet euch eure Meinung.

Dämonen vom Land

Wynonna Earp nimmt den Bus durch den ländlichen Südwesten der USA. Beim nächsten Halt muss sie raus, teilt sie einer Mitreisenden mit. Dann bleibt die Karre stehen – für Opfer Nummer 1 die perfekte Gelegenheit, ihre Notdurft in den nächtlichen Badlands zu verrichten. Nice! Ich hatte schon befürchtet, die Serie könnte irgendwie ernst gemeint und von logisch denkenden Charakteren bewohnt sein… Nochmal Glück gehabt!

Kurz darauf hören die anderen Passagiere inklusive unserer Protagonistin merkwürdige Geräusche von draußen. Ganz die Heldin, steigt Wynonna aus und begibt sich in den Wald, um nach dem Rechten zu sehen. Als sie den abgetrennten Kopf von Opfer Nummer 1 (Sie hatte immerhin erfüllte 3,5 Minuten Serienzeit!) entdeckt, weiß sie: „Ich bin zu Hause!“

Wynonnas Heimatstadt heißt passenderweise Purgatory, was übersetzt Fegefeuer oder Vorhölle bedeutet – sehr einladend!

Hinter dem grausigen Mord steckt ein rotäugiger Dämon mit cooler Glühnarbe im Gesicht. Wynonna braucht nur einen kurzen Moment und ein paar Schläge, bis sie sich daran erinnert, dass sie verdammt nochmal eine Earp ist! Zack, hat der Bösewicht ein Brecheisen im Auge!

Nachfahren eines (Revolver-)Helden

Normalerweise kämpfen die Earps aber nicht mit Brech-, sondern mit Schießeisen. Wyatt Earp war nämlich ein amerikanischer Revolverheld, der zur Legende wurde. So weit, so real. Die Fiktion kommt mit Wynonna in die Geschichte, die als Wyatts Ururenkelin nicht nur seinen Namen, sondern auch seinen Fluch geerbt hat.

Mit großem Colt kommt schließlich auch große Verantwortung! Das sehen wir in einer Rückblende, in der sich Wynonna mit ihrem Dad und ihren zwei Schwestern Willa und Waverly (Freunde der Familie nannten die Drei liebevoll WWW) gegen eine Dämonenhorde zur Wehr setzen muss.

Colt Cam: Schon allein die Kameraperspektive verrät, dass dieser Revolver etwas Besonderes ist.

Der Flashback setzt sich später fort, sodass man im Laufe der Folge erfährt, was es mit dem Earp-Stammbaum auf sich hat. Ururopa Wyatt brachte zu Lebzeiten 77 Gesetzlose zur Strecke, und zwar mit seinem magischen (?) Colt namens Peacemaker. Der Revolver ist seitdem in Familienbesitz und als einzige Waffe dazu in der Lage, die sogenannten Wiedergänger in die Hölle zurückzuschicken. Diese Dämonen sind die Reinkarnationen der bösen Buben, die durch Wyatt Earps Hand (und Colt) damals gestorben sind. Und jetzt sinnen sie auf Rache – logischerweise an den Nachfahren ihres damaligen Richters.

Wildwest-Wiedergänger

Falls die Rezension bisher vielleicht ein bisschen ironisch angemutet hat, kommt jetzt mein Argument zum Anschauen: der Earp’sche Familienfluch! Der steckt meiner Meinung nach nämlich voller Potential.

Ja okay, die Wiedergänger sehen, genau wie bei Supernatural und Co., auch wieder recht menschlich aus, sodass Fans von Monsterkostümen und Masken nicht ganz auf ihre Kosten kommen – zumindest im Fall der Pilotfolge. Aber schließlich handelt es sich ja auch um die Reinkarnationen von Menschen, die lediglich „ein bisschen dämonischer“ von den Toten zurückkehren als zuvor. Dieses „Bisschen“ zeigt sich in einer glühenden Gesichtsnarbe, roten Augen und spitzen Haifischzähnen. Dämonen-Starterkit aus der Hölle? Check!

Das Fiese an Wiedergängern ist, dass man ihnen ihre dämonische Natur auf den ersten Blick nicht ansieht…

… erst auf den zweiten!

Aber gehen wir mal eine Schicht tiefer und werfen einen Blick auf das Innenleben dieser Kreaturen: Zu Lebzeiten waren sie Kriminelle. Sie starben durch die Hand eines Revolverhelden, dessen Ruhm auf ihrem Tod aufbaut. Sie waren in der Hölle, wo ihnen sehr wahrscheinlich Schreckliches widerfahren ist. Und jetzt fahren sie – am 27. Geburtstag der „Erbin“ – in den Körper eines modernen Menschen und stecken in Puragtory fest.

Von purer Rachsucht getrieben, sind sie zwar in erster Linie tollwütige Tiere, doch hoffe ich, dass ihre Ursprünge und Wesenszüge im Laufe der ersten 13 Folgen auch einmal thematisiert werden. Wenn sie auf dem Level sprücheklopfender Punching Bags stehenbleiben, bin ich zutiefst enttäuscht! Aber noch hoffe ich auf Flashbacks ins 19. Jahrhundert, die den Showdown zwischen einem Earp-Erben und den Verdammten zeigen. Und da der Pilot mit einer ausgelassenen „Kriegsparty“ endet, bei der sich eine Biker-Gang von Wiedergängern auf irgendetwas Großes vorzubereiten scheint, setze ich eine Flasche von Tante Earps bestem Selbstgebrannten darauf, dass sich die Story der Finsterlinge nicht in „Tot-dämonisch-wütend-tot“ erschöpft. *Fingers crossed*

Drei Dämonen entführen Waverly, um sie gegen den Peacemaker einzutauschen – wozu sie den wohl brauchen?

Eine Kugel aus dem Peacemaker befördert jeden Wiedergänger zurück ins Jenseits.

Frühes Fazit

Die erste Folge von Wynonna Earp hat vor allem eine große Hoffnung in mir geweckt: Supernatural mit Schwestern im Wildwestszenario! Als Lifetime-Fan von Sam und Dean kam ich nicht umhin, einige auffällige Parallelen zu bemerken. Wynonna und Waverly sind ziemlich unterschiedliche Schwestern, von denen eine das „Family Business“ fortführen und die andere dem Fluch einfach nur entkommen will. (Spoiler: Es gibt kein Entkommen – Ätsch!)

Wynonna will ihre kleine Schwester Waverly (rechts) dazu bringen, aus dem „Familiengeschäft“ auszusteigen.

Außerdem wirkt der Ton der Serie von Anfang an recht selbstironisch und (hoffentlich gewollt!) komisch. Überzeichnete Horror-Effekte wie aufgespießte Köpfe und herausgerissene Zungen entlocken so manchem Liebhaber perversen Bullshits schon mal ein erfreutes Glucksen. In solchen Momenten merkt man der Show ihre Comic-Wurzeln besonders an (von Autor Beau Smith).

Der Country-Rock-Soundtrack passt gut ins Setting, und die Kulissen des ländlichen Südwestens lassen nicht nur Gesetzlose, sondern auch Erinnerungen an alte Western-Streifen wiederauferstehen.

Zu guter Letzt gibt es einen Colt, der in den Händen der Erbin sein Ziel nie verfehlt und Dämonen zurück in die Hölle schickt – definitiv Supernatural-Handschrift!

Ich werde mir jedenfalls noch ein paar Folgen – bestenfalls natürlich alle 13 der ersten Staffel – reinziehen, um anschließend Bericht erstatten zu können. Hoffen wir, dass Wynonna Earp nicht in eine weitere austauschbare Dämonenklopperei mit nervigen Charakteren abdriftet, sondern das Beste aus dem innovativen Horror-Western-Genre-Mix herausholt!

Dieses ungleiche Dreiergespann findet am Ende des Pilots zusammen: die Earp-Schwestern und Deputy Marshal Dolls.

Dolls nimmt Wynonna in die dämonenjagende Black Badge Division auf.

Gut oder böse? Dieser coole Hutträger unterhält sich nett mit Wynonna über ihren Ururopa, hat aber auch Connections zu den Wiedergängern.

 

Was sagt ihr zur neuen TV-Serie Wynonna Earp? Trifft die Monsterschießerei ins Schwarze oder geht ihr nach einigen Ladehemmungen schnell das Pulver aus? Reinschauen und kommentieren!

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