17
Feb

[APP]etit auf Blut – Vampire: We Eat Blood

Kreaturen der Nacht, spitzt eure Fangzähne und zückt eure Smartphones! Seit gestern bieten White Wolf und Asmodee Digital die ersten interaktiven Digital Stories zur neuen World of Darkness in App-Stores und auf Steam an. Ich habe mir Vampire The Masquerade: We Eat Blood gleich heruntergeladen und für euch reingeschnuppert.

Für mich kam die Nachricht von den zwei digitalen Präludien zu Vampire und Mage ziemlich unerwartet. Ich hatte zwar auf dem Schirm, dass White Wolf sich wieder formieren und einiges für die nächsten Jahre geplant haben, aber was das sein würde und wann… keine Ahnung.

Umso neugieriger war ich dann gestern auch, als ich las, dass gleich zwei App-Spiele – eins für Blutsauger und eins für Magier – zum Download bereitstehen. Vampire The Masquerade: We Eat Blood und Mage The Ascension: Refuge kosten jeweils 4,99 € in den gängigen App-Stores oder im Bundle 9,99 € auf Steam. Zumindest das Vampire-Präludium (Mage habe ich noch nicht getestet) benötigt 344 MB Speicherplatz. Gestern hinderte ein Bug die App auf manchen Geräten leider am Starten, doch konnte dieser Fehler inzwischen durch einen Patch (der nochmal 180 MB groß war) behoben werden. Zum Glück, denn so konnte ich heute Morgen endlich in meine lang vermisste World of Darkness eintauchen!


Haha, wie ironisch! Ich benutze den „Sun Chat Messenger“ von Sunburst Software. Warum ironisch? Äh, keine Ahnung… Ich weiß nicht, warum ich das geschrieben habe… Was ich außerdem nicht weiß? Was verdammt nochmal mit mir los ist! Und warum fahre ich schon seit Stunden mit dem Bus durch Mexiko? Irgendetwas ist komisch, ich fühle mich… verändert.

Diese verdammte Party bei Claire! Ob mir dort jemand etwas in den Drink gemixt hat? Oh Mann, mein Kopf dröhnt… Und mein Magen erst! Ich habe so Hunger… bin so durstig! Aber was mir wirklich Sorgen macht: Warum habe ich diese Tüte Nachos noch nicht in einem Rutsch verschlungen, wie ich es sonst immer tue? Shit! Ich brauche Hilfe!

Ich öffne den Messenger und tippe: Izzy? Bist du da? Komm schon, Izzy! Oh, Gott sei Dank, er/sie antwortet. Ich erzähle ihm/ihr, wo ich bin und dass ich mich merkwürdig fühle. Aber Izzy geht es scheinbar ähnlich. Was zur Hölle ist auf dieser Party mit uns passiert!?

Das gilt es im Laufe des Erzählspiels herauszufinden. Kleiner Spoiler: Izzy und ich sind höchstwahrscheinlich tot. Blutsaugende Untote. Vampire eben. Woher ich das weiß? Naja, es gibt da diverse subtile Indizien. Achja, und das Game heißt außerdem Vampire: We Eat Blood!

Primal Terror – Izzy und Case durchlaufen beide eine finstere Metamorphose.

Die Art des Erzählens ist mir in dieser Form noch nicht untergekommen. Wir lesen den Chat zwischen dem Spieler-Charakter Case und diversen anderen Figuren (Achtung: Das Spiel ist komplett und ausschließlich auf Englisch!). Zu Beginn sind das Izzy (scheinbar Mitbewohner/-in) und eine Person, die sich Mother nennt und uns herzallerliebte Bilder schickt, die sie von uns gemalt hat. Whaaat!? Was für eine Art Mutter soll das bitte sein? Ich habe da eine Idee, aber das wäre vielleicht wirklich ein Spoiler zu viel und außerdem reine Spekulation ;).

Komm zu Mama! Sie kann dir helfen… ganz bestimmt!

Ein nettes Gemälde von „Mother“ an ihr Kind.

Hin und wieder stehen uns verschiedene Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung. An einer frühen Stelle im Spiel entscheiden wir uns z. B. dafür, wie wir mit dem gänsegesichtigen Rassisten-Busfahrer umgehen wollen (siehe Screenshot, Mini-Spoiler!). Inwieweit sich diese Entscheidungen auf den Spielverlauf auswirken, kann ich derzeit nur schwer sagen. Ob es in dieser Hinsicht an das PS3-Kultspiel „Heavy Rain“ heranreicht? Ich bezweifle es. Aber hey – das ist ein App-Spiel, also hängen wir mal die Messlatte nicht allzu hoch!

Du hast die Wahl der Qual: Augen eindrücken oder „nur“ den Hals mit deinem Schlüssel perforieren?

Im Endeffekt durchleben wir mit dem Vampire-Präludium die ersten Nächte im Untod eines Vampirs, und zwar aus der Ego-Perspektive. Das funktioniert ganz gut, weil Case zu Beginn ebenso ahnungslos ist wie wir. Er/Sie weiß nicht, was los ist, wo die Reise hingeht und wie er/sie mit diesem Heißhunger auf… naja, Blut umgehen soll.

Das Interface ähnelt echten Messenger-Diensten und verstärkt diese Illusion durch einige schöne Details, wie z. B. Empfangs- und Uhrzeitanzeigen am oberen Rand, eine Navigationsleiste links und Vibrationsgeräusche bei eingehenden Nachrichten. Die Text-Dramatik wird an manchen Stellen durch einen düsteren, geheimnisvollen Instrumental-Soundtrack untermalt, der zuweilen stark an die Musik aus dem PC-Game „Vampire: Bloodlines“ erinnert. Bricht das die Illusion einer realen Messenger-Unterhaltung nicht auf? Ja, schon ein bisschen. Aaaber es gibt dem Ganzen auch gleichzeitig einen leicht filmischen Rahmen. Außerdem finde ich Musik, die die Stimmung einer Geschichte untermalt, immer gut!

Insgesamt bietet das Spiel uns neun Kapitel mit Namen wie „So confused about life. Or whatever, death“, „My guts are a bubble bath“ oder (FSK 16 macht schon irgendwie Sinn) „Are you fucking them? If not, can I?“. Ich bin sehr gespannt, welche Charaktere, Städte und Grausamkeiten Case noch auf seinem/ihrem Weg durch ihr neues „Leben“ begegnen.

An Kapitel 1 habe ich ungefähr 10 Minuten gespielt. Sollte diese Dauer auch auf die anderen Akte zutreffen, haben wir es also mit einer ungefähren Spielzeit von anderthalb Stunden zu tun. Das ist jetzt für 5 € zwar nicht unbedingt atemberaubend, zumal ich nicht glaube, dass der Wiederspielwert so grandios ist, aber das innovative Spielprinzip und die schlichte Tatsache, dass wir mal wieder offizielle White Wolf-Storys zu lesen bekommen, entlocken mir folgendes Fazit:

Fans der World of Darkness kommen bestimmt auf ihre Kosten, wenn ihnen die Idee einer Chat-Erzählung nicht total auf die Nerven geht. Für White Wolf-Novizen hält die App immerhin eine innovativ erzählte Horror-Geschichte mit coolen Zeichnungen von den Illustratoren/Autoren Zak Sabbath und Sarah Horrocks bereit. Genau das Richtige für Zwischendurch oder für… langweilige Busfahrten durch Mexiko?

Zak Sabbath und Sarah Horrocks sind verantwortlich für Story und Artworks.

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